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Das Trauercafe ´in Lich bietet den trauernden Menschen fast seit einem Jahr schon Halt und offenes Ohr


Trauernde erleben einen Umbruch ihrer gewohnten Lebensordnung. Die Trauer stellt alles auf den Kopf: ihre Pläne und Träume, ihre Gefühle und ihr physisches Empfinden. Alle „Selbstverständlichkeiten“ sind plötzlich alles, nur nicht mehr selbst-verständlich. Trauernde Menschen verstehen sich selbst und die Welt um sich herum nicht mehr. Als hilfreich erleben sie deshalb den Austausch mit anderen Trauernden. Hier finden sie ein annäherndes Verstehen, bei aller Unterschiedlichkeit der Trauer und dem persönlichen Umgang damit.
Maria K. erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch im Trauercafé Lich. Vor fast einem Jahr war das, sechs Monate zuvor war ihr Mann an Krebs verstorben. Als sie in der Zeitung las, dass sich in Lich einmal im Monat trauernde Menschen in einer professionell geleiteten Gruppe treffen, stand ihr Entschluss fest, dort Hilfe zu suchen. „Es waren viele Menschen da und ich habe erst gedacht, ich komme nicht dran mit meinem Anliegen“, sagt Frau K. rückblickend. Lachend fügt sie hinzu: „Aber im Trauercafé kommt jeder dran“. Ihr Umfeld reagierte damals überwiegend positiv und fand toll, dass sie sich professionelle Unterstützung holte und Mut hatte, sich zu öffnen.
„Ich fühle mich wohl in der Gruppe. Die anderen verstehen, wie man sich fühlt, auch ohne große Worte“, erklärt sie. Auch heute ist ihre Trauer oft präsent: „Mir geht es schlecht und gut, mal so, mal so“.
Genau das könnten Außenstehende oft nicht nachvollziehen, weiß Katharina Hoffmann, die das Trauercafé gemeinsam mit drei weiteren Trauerbegleiterinnen führt. „Sie sagen dann: Du hast doch jetzt lange genug getrauert. Das Leben geht weiter“. Dabei werde Trauer sehr individuell empfunden: „Trauer ist unsere Reaktion auf einen Verlust. Wir versuchen, dem verstorbenen Menschen einen Platz in unserem Leben zu geben“. Irgendwann sei Verlust akzeptiert und weniger schmerzhaft, aber deshalb sei die Trauer nicht vorbei, erklärt K. Hoffmann. Für viele Trauernde ist das zweite Jahr das schwierigste.
Allerheiligen, Totensonntag, der Todestag des Verstorbenen, Weihnachten: „Die Trauer kann und darf immer wieder hochkommen“, sagt Trauerbegleiterin Rike Raschke. Es gebe viele Möglichkeiten, mit Trauer umzugehen. „Entscheidend ist, dass man seine eigene Möglichkeit findet“, erklärt sie.
In dieser Jahreszeit, vor allem im November wird es auf den Friedhöfen voll. Die Erinnerung an Verstorbene tritt in den Vordergrund, ein Besuch am Grab ist für viele Menschen ein Ritual, das eine Erleichterung spendet.
Halt gebend ist die Struktur des Trauercafés mit seinem festen Ablauf. Hier schenken wir einander Zeit: Zeit zum Austausch, Zeit zum Trauern und Zeit, diese Trauer ausdrücken zu dürfen. Zeit, um einen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu wagen und immer nur als Angebot verstehend. Die Freiheit, in der Trauer nicht funktionieren zu müssen, sondern wahrzunehmen: Was tut mir gerade gut und was nicht? Das ist ein wichtiger Meilenstein in der Annahme und Verarbeitung der eigenen Trauer.


Info: Trauercafé an jedem ersten Montag
Das Trauercafe ´des Ambulanten Hospizdienstes Laubach findet an jedem ersten Montag im Monat von 15:30 bis 17:30 Uhr in den Räumen des DRK, in der Schloßgasse 6G, 35423 Lich statt (Zutritt neben dem hinteren Eingang zum Restaurant Savanne).

 

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